HERR DER FLIEGEN

Von bösen Mädchen und Monstern – Goldings „Herr der Fliegen“ am Bunsen-Gymnasium

 

Die Mittelstufentheater AG am Bunsen beeindruckt mit eigener Interpretation des Romans ,,Herr der Fliegen"

 

Ein Flugzeugabsturz, 15 Schulkinder alleine auf einer Insel, kein Essen, kein Unterstand, keine Erwachsenen – 15 Kinder völlig auf sich allein gestellt.

Die Mittelstufentheater AG des Bunsen-Gymnasiums – eine von drei Theater AGs der Schule – inszenierte auf der Textgrundlage des 1954 erschienenen Romans ,,Herr der Fliegen" von William Golding unter der Leitung von Frau Dr. Walz ein anderthalbstündiges Drama über die Wandlung vermeintlich friedfertiger und zivilisierter Schulkinder in aggressive ,,Wilde", die außer der Jagd und der Konkurrenz zwischen einander nichts anderes mehr im Kopf haben. Und um die ganze Situation noch zu verschlimmern, wird immer wieder ein mysteriöses Monster gesichtet....

Von alldem ist zu Beginn der Geschichte jedoch noch wenig zu merken, außer einigen kleineren Spannungen zwischen den Kindern, deren jeweilige Vorgeschichten gleich zu Beginn des Stücks anhand eines selbstgedrehten Kurzfilms präsentiert werden. Anschließend folgen der Flugzeugabsturz und die Suche der Kinder nach einander, die Formierung einer Gruppe und die Wahl eines Anführers.
Doch jetzt machen sich die im eingangs gezeigten Film aufgefallenen Verhaltensmuster und Charaktereigenschaften der einzelnen Rollen bemerkbar. So vertraut sich der Außenseiter Piggy (Nicolas Schaffer) dem Anführer Ralph (David Strüder) in Bezug auf seinen Spottnamen ,,Schweinchen" an, jedoch wird seine Bitte, diesen Namen vor den anderen Kindern geheim zu halten, von Ralph ignoriert und Piggy sieht sich direkt weiteren Hänseleien ausgesetzt.
Es folgen weitere Konflikte aufgrund des Nicht-Einhaltens der von der Gruppe aufgestellten Verhaltensregeln und der vermeintlich ungerechten Aufgabenverteilung sowie kleine, private Streitereien zwischen einzelnen Rollen, die den Gesamtkonflikt innerhalb der Gruppe verschärfen. Schließlich kommt es zur Spaltung der Gruppe, wobei sich die ehrgeizige Cleo (Greta Sander), die Anführerin des ,,Chors", als Anführerin an die Spitze der neuen Gruppe, den ,,Jägern", stellt.
Durch die Spaltung der Gruppe entstehen zwei rivalisierende Banden, von denen die eine aggressiv und gewalttätig Jagd auf wilde Schweine macht und einen fanatischen Monsterkult entwickelt, während die andere versucht, irgendwie zivilisiert zu überleben. Mehrere dramatische Ereignisse verschärfen die Situation auf der Insel noch weiter und schließlich wird nicht mehr nur Jagd auf Schweine, sondern auch auf Menschen gemacht. Der Zuschauer wird hierbei von der Gruppendynamik der Jäger und ihrem sich immer mehr steigernden, rhythmischen ,,Schlachtgesang" mitgerissen und möchte am liebsten selbst an der wilden Jagd teilnehmen. „Dieser Schlachtgesang diente letzten Endes nicht nur zur Intensivierung des Erlebnisses seitens der Zuschauer, sondern schickte uns alle auf die Insel", so Walz.

 

In Bezug auf den Chor und die Anwesenheit von Mädchen auf der Insel weicht die Inszenierung deutlich von der Romanvorlage Goldings ab. Den Chor bildet in der Originalversion eine Gruppe von Jungen, die sich um den aggressiven Jack schart. Mit viel Fingerspitzengefühl gelang es der Gruppe unter der Anleitung ihrer Lehrerin aus dem schwierigen Stoff der Romanvorlage eine von Schülerhand geschriebene Textgrundlage zu erarbeiten. Der besondere Schwerpunkt lag dabei darauf, jeden einzelnen Schüler seine eigene Rolle entwickeln zu lassen. Das Ergebnis überzeugt durch eine hervorragende schauspielerische Leistung, die die Schwierigkeit souverän meistert, dass sich während des gesamten Stücks permanent alle Schauspieler auf der Bühne bewegen. Das sinnvoll reduzierte Bühnenbild sowie eine gelungene musikalische Untermalung tragen zum Gelingen bei. Damit bereichert „Herr der Fliegen“ die lange Theatertradition am Bunsen-Gymnasium.

 

Sina Ratz

Schule

Bunsen-Gymnasium
Humboldtstraße 23
69120 Heidelberg
Tel.: +49(0)6221 64340
Fax: +49(0)6221 419421

 

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