Seminarkurs Bericht zum Vortrag von Frau Professor Dr. Kerstin von Lingen

Am Freitag, 13.10.2017 bekamen wir in unserem Seminarkurs „Krieg und Frieden“ Besuch von der Historikerin Frau Professor Dr. Kerstin von Lingen, die zurzeit in Wien tätig ist. 

In den zwei Unterrichtsstunden berichtete Frau Dr. von Lingen zunächst in sehr gut verständlicher Weise über ihre Tätigkeit im Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“.  Ihre Forschungsgruppe arbeitet z.B. über japanische Kriegsverbrechen und deren Aufarbeitung und zieht dabei Vergleiche zu den Kriegsverbrecherprozessen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Thema ist deswegen von großer gesellschaftlicher Relevanz, weil Kriege immer auch Auswirkungen auf die Bildung von nationalen Identitäten haben. 

Anschließend gab Frau Dr. von Lingen einen historischen Überblick über unser Rahmenthema, das die wesentlichen Elemente der von uns in einer der ersten Stunden erarbeiteten Zeitleiste nochmals wiedergab: Krieg und Frieden von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Sie vermittelte uns u.a. die Friedensformel „oblivio perpetua et amnestia“ („immer währendes Vergeben und Vergessen“), die sich nach dem 30-jährigen Krieg entwickelte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden dann Kriegsregeln wie zum Beispiel die Pflicht zur Grundversorgung der Kriegsgefangenen. Anschließend kam es in den Jahren 1899/1907 zu den Haager Friedenskonferenzen, die u.a. den Umgang mit Kriegsgefangenen festlegten. Fehlende Regelungen führten dann aber zur Anwendung von Giftgas und Bombardements in den beiden Weltkriegen.

Mit großem Interesse verfolgten wir Frau Dr. von Lingens Erklärungen zum Thema „Erinnerungskultur“. Sie wies dabei auf ein Werk von Frau Aleida Assmann hin, die die Erinnerung an Krieg in drei Kategorien (Siegernarrativ, Verlierernarrativ, Märtyrernarrativ) einteilt. „Der menschliche Geist möchte sich positiv einordnen“, so Frau Dr. von Lingen, daher ist die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg besonders schwierig. Die Wehrmachtsausstellung von 1995 machte dies besonders deutlich und löste starke Reaktionen aus, indem sie ein Narrativ „Der Holocaust war schlecht, aber die Wehrmacht war sauber“ aufbrach. Im Dialog mit Frau Dr. von Lingen sammelten wir dann Möglichkeiten zur Aufarbeitung der Vergangenheit und zur Erinnerung daran (u.a. Filme, Stolpersteine, Denkmäler, Comics etc.).

Besonders interessant fanden wir die Tatsache, dass Frau Dr. von Lingen als Historikerin an Gerichtsprozessen beteiligt ist, bei denen über die Schuld von Angeklagten an Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg entschieden wird. Noch heute gibt es in Baden-Württemberg 19 solcher Prozesse. Ein sehr bekanntes Beispiel ist der Fall von Oskar Gröning, einem ehemaligen SS-Unterscharführer, der in Ausschwitz tätig war. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir als Schüler viele wichtige Aspekte aus diesem Vortrag mitnehmen konnten, die auch in unsere Facharbeiten einfließen werden. Wir danken Frau Dr. von Lingen für den Vortrag und das freundliche und bereichernde Gespräch!

Yeryeong und Shanthiya

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